4 Tipps, wie du deinem Kind Eigenverantwortung lehren kannst.

Kennst du das auch, dass du dein Kind am liebsten vor allem und jedem beschützen möchtest? Während sie klein sind, ist es unsere Aufgabe, sie vor allem zu beschützen und zu bewahren. Doch irgendwann kommt die Zeit, da müssen wir anfangen, unseren Kinder die Eigenverantwortung für ihr Leben, ihr Denken, ihr Tun zu übergeben. Rechtlich erwachsen sind Kinder mit 18, emotional aber erst dann, wenn sie 100% Verantwortung für ihr Leben übernehmen können!

Der Unterschied zwischen Kindbewußtsein und Erwachsenenbewußstein ist die 100%ige Übernahme der Eigenverantwortung für sein Denken, Handeln, Reden.

Es kommt so oft vor, dass Kindern beigebracht wird, dass Mami und Papi schon alles für sie regeln werden. Wir meinen es gut damit, keine Frage. Aber tun wir den Kindern damit auch immer etwas Gutes? Kinder müssen die Chance bekommen, Fehler machen zu dürfen. Es ist wichtig, dass sie als Jugendliche spätestens lernen, mit Frustration und Fehlschlägen umzugehen. Diese Erfahrungen sind so wichtig auf dem Weg zum Erwachsenen werden.

Hier ein paar Beispiele, die immer um Alltagssituationen darstellen, keine Extremsituationen:

  • Dein Kind hat schlechte Noten in der Schule, die Versetzung ist gefährdet. Was machen viele Eltern? Rennen in die Schule und feilschen mit den Lehrern über jede Note, um das Kind ja ins nächste Jahr zu boxen.
  • Das Kind hat Streit mit einem anderen Kind. Die Eltern rufen die anderen Eltern an und klären das für die Kinder
  • Viele Eltern suchen für ihre Kinder die Wohnungen, schließen die Mietverträge und suchen am besten auch noch den passenden Partner aus.

Alle diese Handlungen sind gut gemeint und alle diese Eltern wollen nur das Beste für ihre Kinder! Das steht absolut ausser Frage. Doch liebe Eltern – damit tut ihr den Kindern keinen Gefallen!

Was kannst du stattdessen tun? Hier gibt es zwei ganz entscheidende Dinge

# 1: Selber machen lassen

Zeige deinem Kind, wie es lernt, selbständig zu werden

  • Zeige ihm Denkweisen, wie man auf Lösungen kommt
  • Lehre ihm Kommunikationsfähigkeiten, um Konflikte lösen zu können
  • Bring ihm bei, wo es Informationen findet über Dinge, die es nicht kennt

Kurz um: erkläre deinem Kind, wie es sein Leben selbst in die Hand nehmen kann. Nicht vormachen, selber machen lassen! Das ist der erste Schritt in Richtung Eigenverantwortung.

# 2: Lerne aus den Fehlern anderer

Ich hatte ein unglaublich wertvolles Erlebnis zum Thema Selbstverantwortung, welches ich gerne mit dir teilen möchte:

Ich habe morgens zusammen mit meiner Tochter (9) ihre Brotzeit für die Schule hergerichtet. Dazu habe ich ihr eine Mandarine eingesteckt. Am Vortag war ich einkaufen und habe ihr ein Netz Mandarinen besorgt.  Sie blickte auf die Mandarine und meine „die bitte nicht, ich möchte heute keine Mandarine“. Wie hättest du reagiert? Möglicherweise wie ich „Ach komm, die habe ich extra für dich gekauft!“ Meine Tochter darauf hin „sorry“ und blickte ganz bedröppelt.. Danach spielte sich alles in Zeitlupe ab. Auf einmal war sie da die Erleuchtung, Eingebung oder das Einsehen. WAS UM HIMMELS WILLEN MACHST DU DA??

Ich habe ihr sofort gesagt, dass es absolut nichts gibt, wofür sie sich entschuldigen muss! Erstens ist es total wichtig, seine Meinung offen und ehrlich zu sagen und zweitens war es alleine MEINE Entscheidung, dir diese Mandarinen zu kaufen. Wenn du diese nicht willst, hast du absolut nichts falsch gemacht.

So hatten wir beide ein riesen Learning. Zum einen hat meine Tochter gemerkt, dass sie ihre Meinung sagen darf und dass diese auch respektiert wird und zum anderen haben wir beide die Kraft der Selbstverantwortung gespürt.

Denn wenn man mal ganz ehrlich in meinen Kopf schaut (und dieses Beispiel steht exemplarisch für so viele anderen Situationen), was ging da genau vor sich? Ich habe als Ausdruck meiner Liebe und Zuneigung etwas für mein Kind besorgt. Und um ihr zu zeigen „schau her wie sehr ich dich liebe“, habe ich ihr die Mandarinen gegeben. In dem Moment als sie diese nicht wollte, habe ihr meinem Kind die Verantwortung für meine Gefühle übertragen und war enttäuscht, dass mein Kind meinen Liebesbeweis ablehnt. Und damit natürlich auch mich ablehnt. Was für ein Blödsinn und was für ein riesen Gepäck für mein Kind!

Jeder ist für sich selber verantwortlich – Selbstverantwortung leben!

# 3: Bring dein Kind in die Eigenverantwortung

Wer die Schuld hat, hat die Macht! In dem Moment, in dem ich die Verantwortung für meine Gefühle, Gedanken oder Handlungen an eine andere Person oder Situation abgebe, gebe ich die Macht über mich ab! Wenn ich einem anderen Menschen erlaube, über meine Gefühle zu bestimmen, werde ich abhängig von dem Tun anderer. Daher bereitest du dein Kind am besten auf das Leben vor, wenn du ihm die Verantwortung für sein Leben gibst.

Jeder Mensch sollte lernen, dass er für sein Denken, Fühlen und Handeln immer selbst verantwortlich ist.

  • Dein Kind hat schlechte Noten und schiebt es immer auf den Lehrer? STOP. Es wird immer Menschen geben, mit denen wir nicht klar kommen und dennoch war es die Entscheidung deines Kindes, nicht oder nicht ausreichend zu lernen!
  • Dein Kind findet keine Freunde und alle anderen sind doof? STOP. Wer die Schuld hat, hat die Macht! Wenn dein Kind einsieht, dass es selbst daran schuld ist, dann hat es auch die Wahl, die Situation zu ändern.
  • Dein Kind ist wütend auf dich, weil du es darauf hinweisen musstest, dass etwas falsch war? STOP. Ich glaube du weißt nun selber, wie es weitergeht 😉

Zusammenfassend lässt sich sagen: Eigenverantwortung zu übernehmen, ist der Schlüssel zum emotionalen Erwachsenwerden und der Schlüssel für emotionale Freiheit.

In dem Moment, in dem ich selber für alles verantwortlich bin, kann ich auch alles ändern!

# 4: Reflektiere dein eigenes Denken

Ich habe das glücklicherweise gesehen und konnte direkt gegensteuern. Doch wie viele Eltern sehen das nicht? Viele opfern sich gefühlt  regelrecht für ihre Kinder auf und werfen es ihnen dann bei jeder Gelegenheit bewußt oder unbewußt vor. Das kommt dann in Aussagen wie:

„Ich stehe 2 Stunden für dich in der  Küche und du sagst einfach, es schmeckt dir nicht“ (Liebe Mamas, manchmal schmeckt ein Wurstbrot abends einfach besser als ein aufwändig zubereitetes Mahl)

„Wegen dir habe ich auf meine Karriere verzichtet. Da kannst du schon ein wenig mehr Dankbarkeit zeigen“

„Ich mache seit Jahren den ganzen Haushalt alleine. Du bist so undankbar und hilfst mir nie“

Wir Eltern geben vor, etwas für unsere Kinder zu tun aber wenn wir mal brutal ehrlich sind, tun wir ganz vieles für uns! Um unsere Bedürfnisse zu befriedigen. Zum Beispiel, um die Kinder dazu zu bringen, unser Bedürfnis nach Anerkennung zu befriedigen, weil es sonst keiner macht. Was passiert dabei mit unseren Kindern? Sie lernen, für Dinge verantwortlich zu sein, die niemals in ihrem Verantwortungsbereich liegen.

Kinder sollten niemals die Verantwortung für die Gefühle ihrer Eltern erhalten. NIEMALS. Du als Elternteil hast dich selber dazu entschieden, diese Dinge für dein Kind zu tun. Dein Kind hat damit nichts zu tun! Wenn seine Reaktion dir nicht gefällt, dann liegt das Problem nicht bei deinem Kind!

Das klingt vielleicht ein wenig hart aber lieber Eltern, so ist es einfach nunmal. Klar kann man das auch schmeichelhafter und weicher verpacken aber ganz ehrlich – manchmal braucht es einfach jemanden, der die Wahrheit sagt. Und zwar genau so wie sie ist und nicht, wie wir sie hören wollen…

Wenn du magst, erzähle doch von deinen Erfahrungen in puncto Eigenverantwortung bei deinen Kindern in den Kommentaren.

 

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