Geschwisterstreit – muss das sein?

Geschwisterstreit: Warum es so wichtig ist, dass deine Kinder streiten

Geschwister streiten. Das ist nichts Neues. Glaube mir, wenn ich dir sage, dass ich genau weiß, wovon ich spreche, weil ich auch zwei so kleine Zicklein zuhause habe.

Am liebsten würde ich da ins Zimmer rennen und rufen, dass sie aufhören sollen zu streiten, weil ich sonst langsam wahnsinnig werde. Oder während einer Autofahrt: Mami hier, Mami da. Die ist doof. Die hat mich gehauen… Kennst du, richtig?

Wie behältst du da einen klaren Verstand? 

geschwister streiten

Streiten ist für Kinder genauso wichtig wie Lachen

Kinder entdecken beim Streiten sich selbst und finden ihren Platz. Das bedeute, dass sie herausfinden, welche Argumente sie bringen müssen, um bestimmte Reaktionen und Handlungen auszulösen, beispielsweise lernt dein Kind so, was es tun muss, damit das Geschwisterchen ausflippt oder wie oft es etwas sagen muss, bis dir als Elternteil die Hutschnur droht zu reißen.

Dein Teenager bildet so seine Meinung heraus und versucht sich zu positionieren. Das mag für alle Beteiligten nicht immer einfach sein, aber für dein Kind umso wichtiger.

Ich möchte dir an dieser Stelle raten, dich in solche Zickereien nicht einzumischen.

Geschwister Streiten

Lass diese Streitereien da, wo sie sind, nämlich unter den Geschwistern.

Außer es artet aus und die Kids fangen an, sich zu hauen oder mit nicht mehr tolerierbaren Kraftausdrücken zu beschimpfen. Die Kommunikation, sprich das Vokabular, in einer Familie, darf niemals beleidigend oder beschimpfend sein. Das zählt nicht nur für deine Teenager, sondern für die ganze Familie.

Geschwisterstreit: Nicht mein Zirkus – nicht meine Affen.

Du als Elternteil bist natürlich immer angetriggert, wenn deine Teenager sich mal wieder zoffen. Kleine Sticheleien machen dich irre, weil du merkst, wer das schwächere Kind ist.

Am liebsten würdest du sofort dazwischen gehen und dem einen Riegel vorschieben. Eben eingreifen und schlichten. Glaube mir, dass bringt deinen Teenies nichts, weil sie so nicht lernen, wie Streit und Versöhnung funktioniert.

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Bleib mit einem Ohr dabei, damit du einschätzen kannst, wann es eskaliert und erst dann greife ein. Oft sind sogar die jüngeren Geschwisterkinder diejenigen, die  ganz genau wissen, wie sie den großen Bruder oder die große Schwester auf die Palme bringen können.

Lass das deine Kinder unter sich klären, um sie zu unterstützen, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden. Mein Motto lautet da: „Nicht mein Zirkus. Nicht meine Affen“.

Es ist wichtig zu wissen, wie ein Streit beendet wird und wie es sich anfühlt, sich wieder zu vertragen.

Bei kleinen Raubkatzen ist das ähnlich. Wenn die Kitten sich gegenseitig zu Boden drücken oder in die Öhrchen beißen, üben sie für das Leben als ausgewachsene Raubkatzen und testen sich aus, um später im Ernstfall zu wissen, wie angegriffen wird.

So ist das mit deinen Teenagern auch. Sie üben für später. Sie üben, Gefühle rauszulassen und lernen, dass Respekt dabei eine große Rolle spielt. Gehst du als Elternteil ständig dazwischen, fehlt ihnen dieser Lerneffekt und deine Teenies finden nur schwer heraus, wie sie mit strittigen Situationen umgehen (können).

Auseinandersetzungen und Streitereien gehören zum Leben, denn vor allem aus diesen unangenehmen Situationen ziehst du Kraft. Es ist nicht immer alles tippi-toppi, auch nicht im Erwachsenenalter. Befiehlst du also deinen Kindern, sich zu vertragen, verlieren sie wertvolle Erkenntnisse und Fertigkeiten im Streitfall, denn Vertragen auf Kommando ist auch nur ein Unterdrücken von Gefühlen.

Nicht mein Zirkus – nicht meine Affen…

„Jupiter“ hat in der Beziehung zu meiner Schwester wahnsinnig viel kaputt gemacht

Geschwister Streiten

In meiner Kindheit lief das etwas anders ab. Bei uns gab es ein Codewort namens „Jupiter“. Immer, wenn ich mich mit meiner kleinen Schwester stritt und dieses Wort gesagt wurde, mussten wir uns vertragen. Diese Regel war für meine Mutter natürlich hilfreich und sehr nervenschonend, aber für uns als Geschwister eher sehr nachteilig, weil sich im Laufe der Zeit so viel unterdrückte Wut und nicht ausgesprochene Gefühle anstauten, dass wir bis heute ein schwieriges Verhältnis zueinander haben.

Es ist eine richtige Barriere zwischen uns. Das ist sehr schade, aber deswegen ist es mir so wichtig, dir zu sagen, dass Geschwisterstreit sinnvoll ist. Dabei geht es nicht um Hauen, Kratzen, Beißen. Das meine ich nicht, sondern die verbalen, gewaltfreien Zickereien.

Eine gewaltfreie Kommunikation hat ganz viel mit den eigenen Emotionen zu tun. Im Streit ist es wichtig, Ich-Botschaften dem anderen mitzuteilen, sprich „Was sehe ich?“, „Was höre und fühle ich?“.

Dabei ist es immer gut, seine Wahrnehmungen und Wünsche zu äußern. Gehe auf keinen Fall in eine Opferhaltung, indem du deinen Gegenüber für alles verantwortlich machst. Lerne deinen Kindern, richtig zu Streiten.

Hilf deinem Kind, seinen Standpunkt zu verteidigen.

Eine Auseinandersetzung darf nie in Beleidigungen enden, sondern sollte durch logische Inhalte respektvoll ausdiskutiert wird.

Gib deinen Teenagern die Chance, dies zu lernen und wenn es doch mal zu viel wird, dann trenne sie erstmal und reflektiere dann, wenn jeder ein bisschen runter gekommen ist, die Situation, indem ihr euch fragt, um was es eigentlich ging.

Möchtest du mehr erfahren, wie du reagieren solltest, wenn deine Kids sich mal wieder streiten, dann höre unbedingt in den Podcast rein.

Inhalte/ Podcast: Kira Liebmann

Blogbeitrag: Susanne Hentschel

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