Im Gespräch mit Janis McDavid

Unaufhaltbar mit Handicap: Meine Arme und Beine fehlen mir nicht!

Kira Liebmann im Gespräch mit Janis McDavid

Auf die Frage, wie Janis McDavid sich selbst vorstellen würde, antwortet er mit den Worten: „Das ist eine gute Frage“, und lacht.

Janis McDavid ist Redner, Buchautor und Weltreisender. Er studierte Wirtschaftswissenschaften mit dem Schwerpunkt Motivation und Strategie.  Darüber hinaus ist Janis McDavid engagierter Experte im Deutschen Bundestag, UNICEF Mutmacher sowie „YES, YOU CAN“ Botschafter.

Das Besondere an ihm: Er wurde ohne Arme und Beine geboren. Wie er sein Leben meistert, vor welchen Herausforderungen er in seiner Jugend stand und vor allem, was du von ihm lernen kannst, verrät der 28-jährige Motivationstrainer im Podcast.

Janis  McDavid: „Dein bestes Leben“ ist viel mehr als nur ein Buchtitel

Fotocredit: Katy Otto

Dein bestes Leben“, so lautet nicht nur der Titel seines ersten Buches, sondern es ist viel mehr eine Lebenseinstellung, die Janis als Speaker an alle Menschen weitergeben möchte. „Das Leben […] ist eigentlich ein ganz ganz großes Geschenk“ und aus diesem Geschenk gilt es, das Beste herauszuholen.

Das heißt auch mit all den Voraussetzungen, Herausforderungen und Problemen, die jeder hat, zurechtzukommen.

Mit dieser Botschaft ist Janis McDavid als Vortragsredner deutschlandweit unterwegs, gibt Interviews und schreibt neuerdings auf seinem Blog Unaufhaltbar über genau diese Thematik.

Janis schreibt mit Stift selbst. Das gelingt mit seinem Arm oder dem Mund. Er braucht das Schreibgefühl, weil er irgendwann festgestellte, dass die Kreativität beim Diktieren verloren geht.

Die Tatsache, dass Janis ohne Gliedmaßen zur Welt kam, schockierte seine Eltern. 

Janis McDavidFotocredit: Invacare, Zacharias Pimenidi

Lange war nicht klar, ob sich der heutige Motivationscoach überhaupt bewegen kann. Janis’ Eltern entschieden, sich Hilfe zu holen und gaben ihren Sohn im Alter von 14 Monaten in eine Pflegefamilie.

Janis sah diesen Schritt immer als etwas ganz Besonderes an. „Ich hab halt keine Arme und Beine, aber dafür vier Eltern“, kommentiert er und steht damit voll hinter seinen leiblichen Eltern.

Für ihn war diese Situation immer etwas Besonderes, weil der Kontakt stets bestand und jedes Elternteil aktiv an seinem Leben teilnahm. Die „Bochumer-Eltern“ fanden Janis biologische Eltern über eine entsprechende Organisation.

Janis McDavid ist so normal, wie nur möglich aufgewachsen. 

Copyright: Invacare, Zacharias Pimenidis

Der heutige Vortragsredner ging seit der Krabbelgruppe in „normale“ Einrichtungen; Kita, Schule, später auch Uni. Um Janis so ein normales Aufwachsen zu ermöglichen, haben seine Eltern zwei grundlegende Dinge richtig gemacht:

  1. Sie entschieden sich bewusst für Janis und zugleich dafür, ihn so normal, wie möglich großzuziehen. Dem Mental Coach fiel lange nicht auf, wie anders er ist. Der Rollstuhl war normal. Sie erhielten ihm seine kindliche Welt mit all seinen Träumen. Problembehaftete Gespräche in Kita oder Schule führten seine Eltern immer ohne dem heutigen Motivationscoach, um ihn nicht zu verletzen.
  2. In aller Konsequenz, sollte Janis auch so selbstständig, wie möglich aufwachsen.. Seine Eltern unterstützen ihn aktiv, indem sie ihm nicht halfen. Er probierte alles allein aus und lernte so z.B. Treppensteigen. Das stärkte den Motivationsredner nachhaltig für seine Zukunft.

 

 Fotocredit: Invacare, Zacharias Pimenidis

Janis McDavid: „Natürlich habe ich mir an manchen Punkten eine Sonderbehandlung gewünscht“

In der Pubertät merkte Janis, dass seine Situation auch super als Ausrede durchging. Aber es war immer klar, dass dies nicht sein darf – für alle Seiten nicht.

Seine Behinderung durfte nie als Grund oder Entschuldigung, geschweige denn Ausrede benutzen werden, etwas nicht zu tun. „Da war sowohl ich in der Verantwortung, als auch meine Eltern und die Lehrer“ erzählt Janis McDavid im Interview.

Erst im Alter von acht Jahren kam es zu einem Bruch, als er eines morgens ohne Rollstuhl am neuen Garderobenspiegel vorbeiging und sich dabei da erste mal im Ganzen selbst sah.

Janis durchfuhr ein Schock und er war wie gelähmt.

Da realisierte der heutige Motivationstrainer erstmals, dass sein Selbstbild im Kopf nicht mit seinem Spiegelbild übereinstimmte. Janis schämte sich. Dieses Erlebnis brannte sich ein und beeinflusste sein Leben zunächst negativ.

Zunächst versuchte er allein mit der Erfahrung fertig zu werden und führte bis zum 17. Lebensjahr einen inneren Kampf. „Ich hab mich an mein eigenes Spiegelbild geklammert und wollte nicht dieses andere Spiegelbild. Ich wollte SO nicht sein“, verdeutlicht er.

Janis McDavid zog sich zurück. Aufgefallen ist diese Veränderung in seinem Umfeld niemand.

In seinem Freundeskreis und in der Klasse war Janis sehr gut integriert, sodass er sogar auf Klassenfahrt ins Sauerland mitfuhr – zum Schlittenfahren. Der Gedanke „so normal wie möglich“ war immer selbstverständlich.

Janis McDavid: „Aber die Leute gucken immer! 

Sobald er die Haustür abschließt, verlässt er seine Komfortzone und ist den Blicken der Leute ausgesetzt. Geguckt wird immer, aber eher, wenn sie merken, dass Janis viele Dinge allein erledigen kann, wie z.B. eine Cola-Flasche öffnen.

Als Jugendlicher bereiteten ihm die Blicke von Fremden viel mehr Unbehagen. Vor allem unter Gleichaltrigen, die ihn noch nicht kannten, fühlte er sich anfangs sehr unwohl. Kinder sind knallhart ehrlich.

So musste Janis mit gemeinen Sprüchen klarkommen. Erst mit 17 Jahren reflektierte er allmählich, dass es nicht die beste Art ist, ständig mit sich im inneren Konflikt zu stehen und fing an seine Situation zu akzeptieren.

Janis Mc David: „Eigentlich ist mein Körper gar nicht so schlecht

Janis McDavid Fotocredit: Invacare, Zacharias Pimenidis

Er konnte laufen, Treppen steigen, selbstständig sein. Janis kann an seinem Körper und der Situation nichts ändern. Nun geht es darum, die eigenen Herausforderungen und Gegebenheiten im Leben anzunehmen und zu sehen, wie er das Beste daraus machen kann.

Diese Denkweise hat Janis sein Leben stark positiv beeinflusst.

Einerseits gewöhnte er sich einen Tunnelblick an, um so verbale Angriffe auszublenden und andererseits ist er stolz auf seine Besonderheit. Viele Menschen suchen nach Aufmerksamkeit, während er den „Superstar-Faktor“ einfach hat.

Die Aufmerksamkeit machte sich Janis also zum Vorteil. Der Vortragsredner möchte seinen Superstar-Effekt nutzen, um seine Botschaft in die Welt zutragen. Er will anderen Menschen helfen, ihnen aufzeigen, dass aus jeder Situation das Beste gemacht werden kann. So kam er zu seiner Passion.

Ich hab keine Zeit mir langwierige Konzepte zu überlegen“ so Janis McDavid

Janis McDavid Fotocredit: Invacare, Zacharias Pimenidis

Er hatte einen Fahrplan im Kopf, aber viel wichtiger war es ihm, einfach anzufangen. Er visualisierte seine Ziele, setzte sich in dieser Vorstellung einen Ankerpunkt, den er erreichen wollte und sprang ins kalte Wasser.

Sein Perfektionismus stand ihm dabei nicht im Weg. Diese erste Speaker-Erfahrung war der Initialzünder weiterzumachen.

Dabei geht es dem Motivationstrainer darum, authentisch seine Höhen und Tiefen abzubilden und den Zuhörern zu zeigen, wie sie sich selbst annehmen können.

Unterstützt wird Janis stets von Familie und Freunden. Im Interview wird deutlich, dass McDavid ein wahnsinnig großes Vertrauen in sich hat: „Es ist keine Situation so, dass man sie nicht verändern kann“ glaubt er fest.

Perspektivisch möchte Janis in den nächsten Jahren mehr Vorträge halten, mehr Menschen erreichen, mehr mentale Abläufe durchschauen und nutzen sowie über seine Grenzen hinausgehen. „Es gibt keine größere Ehre als einen Vortrag halten zu dürfen“ erklärt Janis dankbar.

Die Menschen schenken ihre Zeit, wenn sie seinen Vorträgen zuhören „und Zeit ist das Wertvollste, was wir haben“ so Janis McDavid. Und damit hat er recht.

Janis McDavid Fotocredit: Katy Otto

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