Warum lügen Teenager?

Die Teenager-Lügen-Wahrheit: Warum dein Teenager lügt und was das mit dir zu tun hat

„Wer lügt, hat die Wahrheit immerhin gedacht“, sagte schon der deutsche Kabarettist und Jugendbuchautor der Buchreihe Burg Schreckenstein Oliver Hassencamp.

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Wenn Teenager bewusst flunkern, hat das tatsächlich etwas mit dessen Gedanke zu tun. Sie entscheiden sich bewusst für die Flunkerei, weil die Wahrheit für sie in diesem Moment der schwierigere Weg ist.

Lügen wird zum Mittel des geringsten Widerstandes.

Wer hat als Teenager nicht ab und an mal gelogen?

Schon als ich jung war, erfand ich häufig Geschichten. Mit diesen Lügen habe ich versucht, ein Bild aufzubauen, wie ich mich gern gesehen hätte. Beim Erzählen wurde die Geschichte dann wahr, was mir ein wahnsinnig gutes Gefühl gab.

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Meine Eltern merkten das natürlich, hinterfragten aber nichts. Meine Fantasie und Kreativität wurde so zwar gut geschult, nur weiß ich bis heute nicht, warum, ich das eigentlich tat.

Lügen sind vielfältig. Das Repertoire reicht von Schwindeln über Flunkereien, die Konsequenzen haben bis hin zu Lügen, die anderen schaden.

Oft haben Lügen eine Schutzfunktion. Sie schützen dich oder andere vor unangenehmen Konsequenzen. Schließlich ist es für dein Kind einfacher zu sagen, dass es bei der besten Freundin oder beim besten Kumpel übernachtet, als zu erzählen, dass es beim Schwarm schläft. Da klingeln sofort die Alarmglocken jeder Eltern.

Lügen

Die Pubertät ist der Prozess der Selbstfindung, da gehören Lügen mit dazu.

Dein Kind testet Grenzen und versucht herauszufinden, wo sein Platz in der Gesellschaft ist. Dabei geht der Teenager den Weg des geringsten Widerstandes und erzählt die manchmal Stories, an denen du arge Zweifel hegst.

Die Schwindelei ist so offensichtlich, dass es dir schon zu unangenehm ist, nachzufragen.

Der Klassiker: Dein Kind ist verliebt und plötzlich findet am Wochenende DIE Geburtstagsparty statt, wo wirklich ALLE auch übernachten. Tief in dir ruft’s: „Das stimmt nicht. Gefahr!“, aber du kontaktierst nicht die Eltern des Geburtstagskindes an, um zu prüfen, ob die Geschichte stimmt.

Cybermobbing

Du bist nicht der Wachhund deines Kindes

 Möglicherweise flunkerte dich dein Teenie an, aber wenn es dir nicht vertraut, dann liegt das Problem nicht bei der Lüge! Dein Kind befürchtet, dass es schwieriger ist, dir die Wahrheit zu sagen und flüchtet in die Notlüge.

Frage dich nun: Welchen Beitrag habe ich dazu geleistet, dass mich mein Kind genötigt fühlt, dich in diesem Punkt anlügt? Such  gar nicht primär den Fehler bei deinem Kind, denn Teenager sind rebellisch und wollen ihre Erfahrungen selbst machen.

Aus Schutz reglementieren Eltern dabei ihre Kinder, weil sie natürlich nicht mit 40-45 Jahren Großeltern werden wollen. Das sind deine Ängste, zwar aus wohlwollenden Motiv, aber dein Teenie wird sich vieles nicht verbieten lassen, und am Ende das tun, was er tun möchte.

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Teenager lügen auch manchmal aus Selbstschutz 

Ähnliches Beispiel ist Schule schwänzen. Wenn du ein Thema hast, wo dein Kind dich anlügt, dann solltest du nicht suchen, was bei deinem Kind verkehrt ist, sondern in erster Linie Gedanken machen, was dein Kind antreibt, dich anzuflunkern.

Wenn es sich für dein Kind lohnt, länger auf der Party zu bleiben als vereinbart, wird es bleiben! 

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Wenn auf einer Party alle Freunde länger feiern dürfen als dein Kind, dann steht es vor zwei Optionen: Bei der Peergroup bleiben oder nach Hause gehen.

In den meisten Fällen entscheidet sich das Kind fürs Bleiben, weil es sonst riskiert von der Gruppe belächelt zu werden und im schlimmsten Fall ausgeschlossen wird. Diese Peergroup ist für dein Kind wahnsinnig wichtig.

Daher ist der Freundeskreis auf einer Wichtigkeitsskala in dieser Zeit höher angesiedelt als die Familie.

Dein Kind wird alles versuchen, zu dieser Gruppe dazuzugehören. Das Band der Familie ist in der Regel dagegen so eng gestrickt, dass du es nicht verstößt, wenn es 2-3mal zu spät nach Hause kommt. Das weiß dein Kind.

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Du bist kurz davor die ominöse Party zu crashen, auf der dein Kind ist, weil es nicht, wie vereinbart um 22:00 Uhr zuhause war?

Nun ist es bereits 00:00 Uhr und dein Kind kommt etwas angeschickert zur Tür herein. Du würdest  ihm jetzt gerne eine „Szene machen“. Sei dir bewusst, Wut ist ein Sekundärgefühl. Dahinter verbirgt sich immer ein noch stärkeres Gefühl, wie Scham, Verzweiflung, Schuld, Hilflosigkeit, Sorge oder Angst.

Du kannst auch tief Luft holen und dich zügeln, dein Kind schlafen gehen lassen und ihm vielleicht noch ein Eimerchen neben das Bett stellen. Am nächsten morgen suchst du das Gespräch auf Augenhöhe.

Frage, wie es nächstes Mal besser kommuniziert werden kann, wenn es später wird. Schließlich machst du dir viele Sorgen. Bleib offen und ehrlich, erzähle, dass du dich schlecht gefühlt hast, Angst hattest oder verzweifelt warst und finde einen Kompromiss, wie es beim nächsten Partyabend besser laufen kann.

Teenager sind durchaus in der Lage zuzuhören und darauf einzugehen. Dein Kind möchte nicht, dass du dir Sorgen machst. Eltern haben aber nun mal ihren Elternblick und diese Sorgen und Ängste um ihr Kind. Um dich als Elternteil davor zu schützen, lügt dein Teenie dich an. Und weil es oft der bequemste Weg ist.

Lügen

Wenn ein Kind aus Angst vor einer Konsequenz immer wieder lügt, solltest du schnellstmöglich etwas ändern.

Eltern müssen sich auch in diesem Punkt ihrer Vorbildfunktion bewusst sein

Wenn du dir selbst deine Wahrheit zurechtlegst, dann darfst du dich nicht wundern, dass dein Kind es genauso macht. 

Beispiel: Du sagst das Abendessen mit deiner Freundin ab, weil du angeblich krank bist. Tatsächlich hast du aber keine Lust nochmal aus dem Haus zu gehen. So etwas bekommen Kinder mit.

Kinder sind das Spiegelbild deiner Erziehung. Wenn dir das im Spiegel nicht gefällt, bringt es nichts den Spiegel zu verändern.

Spiegelbild

In Bezug auf Lügen bedeutet das: Wo kann ich bei mir etwas umstellen, dass mein Kind nicht mehr das Gefühl hat, es muss mich anschwindeln? Gebe ich jedes Mal einen Ratschlag oder drücke ich meinem Teenager ständig meine Meinung auf? Auch das kann ein Grund für Schwindeleien sein.

Kinder haben ein Recht darauf, eine eigene Meinung zu entwickeln und manchmal lügen Teenager auch einfach mal. Das ist die Pubertät.

Erwischst du nun dein Kind, agiere so, dass die Beziehung zu ihm nicht gestört, sondern gestärkt wird, indem du auf Augenhöhe gehst. Umso weniger wird dein Kind zukünftig lügen, weil es dir vertraut.

Eine gute Eltern-Kind-Beziehung ist das allerwichtigste und das Fundament in jeder Familie.

Inhalt: Kira Liebmann

Autor / Transskript: Susanne Hentschel 

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