Kira Liebmann

Einen Teenager erziehen zu wollen ist sinnlos!

Ertappst du dich auch dabei, wie du dein Kind trotz Pubertät noch weiter erziehen willst?

Als Eltern neigen wir gerne dazu, all die vermeintlichen Fehler seines Kindes sehen und dies selbstredend direkt kommentieren zu müssen. Dein Kind

  • kommt zu spät heim
  • zieht die falschen Sachen an
  • hat die falschen Freunde
  • kümmert sich nicht genug um die Schule…

Gerade zu Beginn der Pubertät legen viele von uns Eltern nochmal den Erziehungsturbo ein, in der Hoffnung, noch schnell etwas bewirken zu können. Ganz ehrlich – Vergiss es!! Was ihr bisher nicht hinbekommen habt, klappt nun erst recht nicht mehr!

Liebe Eltern: Mit Beginn der Pubertät ist die Zeit des konventionellen Erziehens vorbei!

In den ersten Jahren sind Kinder von der Liebe der Eltern abhängig. Eltern können Kinder noch durch Strafandrohung oder mögliche Konsequenzen als letzte Instanz, erziehen und in Schach halten. Doch in der Pubertät fangen Kinder an, sich abzunabeln. Da fangen die lieben Kleinen an, anders zu reagieren. „Ist mir doch egal…“ und dann stehen wir dann da, unseres einstigen letzen Druckmittels beraubt. Ab jetzt beginnt eine neue Zeit des Zusammenlebens. Leider übersehen das einige Eltern und versuchen, ihr Kind weiterhin unter Kontrolle zu halten. Du kannst aber deinen Teenagers zu nichts mehr zwingen. Der Wille eines Teenagers ist so stark wie der eines Kindes in der Trotzphase.

Je besser du dich ab sofort in die Ängste und Sorgen aber auch Freuden deines Kindes hineinversetzen kannst, umso tatkräftiger kannst du dein Kind beim Erwachsenwerden unterstützen. Wir haben ab Geburt die volle Kontrolle über unser Kind. Wie aussieht, welche Konsistenz sein Stuhlgang hat, wann es wieviel gegessen hat, welche Schuhgröße es hat, wer seine Freunde sind usw. Doch irgendwann ab 10/12 Jahren entscheiden unsere Kinder über unseren Kopf hinweg, wann diese totale Kontrolle vorbei ist. Wir werden großer Teile dessen beraubt, worüber wir uns die letzten Jahre definiert haben. Eltern sein durch und durch! Nun müssen wir abgeben, loslassen, Kontrollverlust auf ganzer Linie. Und das ohne Vorwarnung oder Absprache…

Die Pubertät der Kinder heisst auch immer gleichzeitig ein stückweit das Loslassen der Elternrolle!

Schimpfen, Drohen, Disziplinarmaßnahmen werden immer wirkunsloser.  Mein Tipp: Fangt an, richtig miteinander zu reden!

Ab sofort geht es nicht so sehr darum „worüber redet/streitet/diskutiert ihr“ sondern was viel wichtiger ist „wie kommuniziert ihr? “

Dein Kind wird sich verändern. Versuche nicht, über jede Veränderung eine Zäsur zu legen. Betrachte nicht alles mit dem Rotstift im Kopf.

Bisher hast du die Verantwortung für das Leben deines Kindes gehabt. Eltern meinen viel zu oft, diese nicht an die Kinder abgeben zu können „Nein mein Schatz, du kannst noch keinen Hunger haben, wir haben doch erst vor einer Stunde gegessen…“, „doch das schmeckt…“, „das kann nicht sein, dass du nicht müde bist, es ist schon halb 9“ – na erkennst du dich zum Teil wieder?

Während der Teenagerzeit fordert dein Kind seine eigene Entscheidungsbefugnis ein. Zu Beginn vielleicht noch etwas leiser aber je weniger die Eltern bereit sind abgegeben, desto lauter wird die Forderung.

Mein Tipp: Versuche dein Kind jeden Tag wohlwollend und liebevoll zu betrachten und richte deinen Fokus auf die guten Seiten deines Kindes. Denn das, worauf der Fokus fällt, verstärkt sich automatisch. Wenn du anfängst, die guten Seiten zu entdecken, wirst du erstaunt sein, wie viele du davon auf deiner Suche nach den schlechten Seiten, nicht wahrgenommen hast.

Aufgabe: Wenn du das nächste Mal Zeit mit deinem Kind verbringst, sieh es an, genieße dein Kind statt es erziehen zu wollen, erfreue dich an deinem Kind: Das ist mein Sohn/Tochter. So viele Jahre haben wir jetzt gemeinsam verbracht. Das haben wir wirklich verdammt gut gemacht!!

Sei stolz auf dich und auf dein Kind. Das habt ihr euch verdient!

 

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