Matthias Jung

#9: Interview mit Matthias Jung

Matthias Jung, Autor von „Chill Mal! Am Ende der Geduld ist noch viel Pubertät übrig“, ist studierter Pädagoge, Kabarettist und zweifacher Vater. Eine spannende Mischung, die seine Perspektiven und seine Gedanken rund ums Thema Pubertät humorvoll ausmacht. 

In einem Interview haben wir gemeinsam über das Thema Pubertät rund um seinen Leitgedanken „Chill Mal“ gesprochen.

,,Nah am Alltag, nah an den Eltern dran“

Sein Programm, mit dem er deutschlandweit auf die Bühne geht und sein gleichnamiges Buch, sollen kein strenger Ratgeber sein, sondern vielmehr eine Mischung aus Information, Anekdoten und vor allem ganz viel Humor. Eltern stellen fest, dass sie nicht alleine sind und erkennen sich selbst und ihr Kind wieder. Denn es gibt tatsächlich eine Menge Dinge, die nicht nur dein Kind tut. Von einer Sammlung leerer Flaschen unterm Bett bis zu dem gereizten Brüllen von „Tür zu“. Auch wenn sich natürlich nicht alle Jugendlichen gleich verhalten gibt es ein paar Dinge, die unsere Kinder fast alle tun und das zu wissen, ist doch ziemlich beruhigend.Bei typischen Reizthemen wie dem Zimmer deines Teenagers oder der Schule ist es wichtig sich vor Augen zu führen, dass es besser wird. „Die Werte, die wir unseren Kindern mitgegeben haben, sind nach der Pubertät wieder da. Sie waren eben kurz in der Werbepause“.

„Umso enger die Bindung zu den Eltern, umso stärker ist die Rebellion“

Matthias vergleicht die Bindung zwischen Eltern und ihren Teenagern mit einem Knoten. Umso enger dieser Knoten, umso mehr Kraft und Wiederstand wird benötigt um ihn zu lösen. Um sich gegenseitig abzunabeln ist eine gewisse Reibung sogar nötig. Es ist also wichtig, dass sich unsere Kinder auch mal für uns schämen. Also ruhig mal laut Helene Fischer im Auto mit grölen, das macht den Abnabelungsprozess für unsere Teenager leichter, so Matthias. Und Konflikte und Auseinandersetzungen sind in der Pubertät unvermeidbar, denn schließlich heißt Erwachsenwerden ja auch Ausprobieren. Egal ob in der Meinung oder dem Styling. Nur durch versuchen bilden sich unsere Kinder ihre eigenen Standpunkte und nur so festigt sich ihre Persönlichkeit. Wir Eltern dienen in dieser Zeit  eben manchmal als Versuchskaninchen.

„Generationen-Konflikt: Früher war alles besser“

Chill malEin Klassiker, wenn es um Reibungspunkte zwischen Eltern und ihren Kindern geht, ist das Handyverhalten. Die Generation unserer Kinder gilt oft als Medien, bzw. Handybesessen und du bist garantiert nicht das erste Elternteil, dass mit dem Satz ,,zu meiner Jugend gab es das alles noch gar nicht und ich bin auch groß geworden´´ argumentiert. Aber das ist gar nicht ganz richtig. Denn die Neugier auf das Neue gab es schon immer. Früher war es ein Telefon mit Wahlscheibe oder ein Fernseher für die ganze Familie an einem festen Platz, heute hat sich das eben alles ein bisschen verändert, erklärt Matthias. Und das ist auch wichtig, denn wir brauchen eine Generation, die ein bisschen anders denkt, nur so kommt eine Gesellschaft ins Rollen. Gewisse Neuerungen in einer Generation gab es schon immer und letztendlich werden diese ja auch von den älteren Generationen übernommen. Oder liest du diesen Blogpost etwa auf einem Telefon mit Wahlscheibe?

„Ich gebe Gedanken vor und den Rest macht ihr schon“


Ratgeber sind oft unterstützend, humorvoll und geben uns als Eltern ein gutes Gefühl, aber die meisten Dinge entscheiden wir aus der Liebe zu unserem Kind heraus richtig. Sich mal einen Tipp abzuholen oder sich gemeinsam über die ärgerlichen und nervigen Dinge auszutauschen gehört aber genauso dazu. Als Abschlusstipp erklärt Matthias: ,,Fehler machen gehört in der Pubertät auf beiden Seiten einfach dazu. Wir sind eine Generation von sehr achtsamen Eltern, vielleicht manchmal auch zu achtsam. Unsere Kinder müssen früher oder später selbst zu Lösungsvorschlägen kommen und da gehört Fehler machen einfach dazu.“

Also Chill Mal!

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